Zwei Friedhöfe in Boizenburg

die gräber gereiht, geschmückt,
zerzaust allein die linden stehen.
auf dem städtischen friedhof
wachsen die steine ein, urahnen
und tote kinder schlafen, die
bäume auf ihnen saugen ihnen
ihr lied aus den knochen
oder die rosen blühen aschfahl.
nur die erde trauert heitergrün
am wegrand mit grasgirlanden.

hinten hinaus, weg von kreuz
und geordnetem gram, noch ein stück
hinter den opfern des faschismus
in einem kleinen waldstück
elbbergwärts, vergessen, und nur von
buchen bewacht: der jüdische
friedhof. frieden auch hier, doch
ein versteinerter. das letzte grab
schloss sich
neunzehnhundertvierunddreißig.
seither stirbt ER.