Camille Claudel

Dem Stein die weiche Linie
abgerungen, gerungen um
das Ebenmaß der Zeit
die mir noch blieb,
brachen die Splitter
sich Bahn in nackte
Seelengänge.
Blutende Erinnerung, Rodin!

So weicht der Stein
aus seiner Bahn, seiner
Bestimmung entgegen wachsend.
Abtastendes Flügelschlagen,
des Meißels Spur.
Uralte Kinder unserer Erde
nehmen den Abdruck
meiner Hände auf sich.
Wagemutig wage ich
dir zu widersprechen,
im Stein, Rodin, im Stein.

Suchst du Begegnung,
Gegnerschaft, mein Gegenüber?
Was bricht sich
in dir Bahn?
Was treibst du deinen
Keil in meine Wunden?
Den Durst zu stillen, mir?
Wo bist du,
wenn ICH dich rufe?

Ich rufe Stein, dich!
Ich hebe auf das Urteil
als Frau Gefäß zu sein,
Erde zu essen,
zu gebären, Samen
zu trinken.
Ich forme Stein, dich!
Was bricht sich
in mir Bahn?

Erstarrung! Dieses aus
der Welt gefallene Sein
auffangen in der weichen Linie!
Das Ebenmaß der Zeit
mit sanfter Hand
voller Gewalt
in den Stein gepresst!

Erweckter Stein!
Blutende Erinnerung Rodin…

Die Liebe mauerte
mich ein.
Gott ist tot