Mit dir ritt ich hoch zu Ross
seit ich dem Schauen
deines apokalyptischen Bildes,
dem „Einkleiden der Braut“
in mir Raum gab.

Heißer Schreck
zerstach meine
Fußsohlen:
ACH SO --- DAS
darf man tun?
So malen?

Länger
konnte
ich zukünftig
Naivität
nicht zu
meinem
Schutzschirm
machen.

In meiner Lebensmitte,
äußerlich Frieden in dem Land,
in welchem ich mich
-zugeschnitten in
handhabbare Teile-
der Funktionalität
einverleiben lassen musste,
traf ich auf dich.
Traf ich auf Dada.

Noch nach meinem
dreißigsten Jahr
tobten in mir die Kriege
meiner Väter. Wie heute.
Jeder Schritt dort hinein
bringt neue zerklüftete
Landschaften hervor,
die ich schamhaft
vor jedem Zugriff
zu verbergen weiß.


Die Außenhaut
deiner Bilder gab mir
die Erlaubnis,
Gefühle zu essen,
in denen der Schrecken
gehaust hat.
Ich, ein Kind des Friedens,
trug schwer an den
kruden Versatzstücken
im Vokabular meiner
Lebenswirklichkeit,
aus denen Gewalt troff.
Im Kleid gemütlicher
Kleinstadt-Tiraden versteckt,
hauste dort Krieg,
Kampf, Hauen und Stechen.
Ich hatte den Garten
meiner Kindheit
als Medizin.
In seinen Verstecken
heilt mein
Verletztsein
heute noch.

Du warst ein Weiser
der sein Wundsein
vernarben ließ
um die Krusten, den Schorf,
auf die Leinwand zu tragen.

Rauschhafter Schattenzwang
war deine Schöpferkraft
in der Zeit deiner Bilder,
weil du unter den Narben
das Blut tilgen musstest,
Tag um Tag neu,
damit die verblutenden Körper
deiner gefallenen Kameraden
ihre Erinnerungsleiber
nicht stets aufs Neue
in dein Hirn drückten.


Erst später, am Schoß von
Mutter Erde geborgen,
im Land Arizona,
hörtest du die Gesänge
der Altvorderen
der Indios, stecktest dir
neue Wegmarken und spieltest
Baumeister von Skulpturen,
die die Ahnengesänge
in ihrem Bauch trugen
und wie fröhlich machende
Finger im Sand der Wüste
standen.

Glatt war dein Blick da,
deine Haut, dein Gang,
du Schöner!
Das Lächeln Dorotheas
schmückte dir die Fährte
auf der du jeden Tag
zum Fluss deiner Arbeit
unterwegs warst.

Der Tod hat sich
auf deinen Leinwänden
das Leichentuch
von den Hüften gerissen
und endzeitliche Traumtänze
getanzt, immer in rote
Farbe getaucht seine
imaginären Pinsel schwingend,
die geübt
im Schlußstrich
setzen sind!

Für mich, die ich zart und wund
und schuldlos und schamfrei bin,
immer noch neu-gierig
nach hinten blickend,
(auch wenn mein Blick
fast schartig geworden,
weil mich der Schlund
der Jetztzeit beständig anspukt
mit Animositäten, Feindbildern,
Amokläufen und dem Schimmel
des Geldes, der an uns allen klebt)
sind deine Farbdrucke,
deine Collagen und die Abzüge
der Haut von Bäumen,
ein heimatlicher Ort
geworden.
In ihm gehe ich
spazieren und versuche
mich einzurichten.
Deine schöne Gärtnerin
und ich sind eins geworden.
Wunderlicher Trost!