Toter Freund

I.
Du warst der griechische Engel
in meinem Leben.
Zu Beginn aus dem
grellen Festgetümmel
eines Kostümfestes
aufsteigend und sich hineingeheimnist
in eine meiner Übungen
zur Selbstliebe,
gabst du Bruchstücke,
Abenteuer-Funken deiner
Geschichten preis,
reichtest mir Facetten von Lebenslust
herüber, träumerisch,
wie aus einem anderen Raum.

Mosaiksplitter alter Sehnsüchte
von mir, (an nie Gelebtes)
wachten auf und stachen
sich einen Weg zu
meiner Wahrnehmung
frei.

Auf deinem Lächeln
baute sich meine Seele
eine Rutschbahn!
Ja, bei dir war gut SEIN!
In deinen Augen sich zu spiegeln!
Ein freier Engel, ein freier Mensch
warst du, der scheinbar gefahrlos
aus seinen Möglichkeiten
Flügel baute.
Überraschungs-Alltag.

Ich wurde ein Teil DEINES Spiels
und versuchte dennoch
Hüterin meiner inneren Meere
zu bleiben.
Du, ein Schiff darauf.
Und ich rührte wie eh und je
Stürme auf
um ihr Tosen zu kosten,
besänftigte sie wieder, um den
Amplituden meiner inneren Zeitreise
die Ruhe vor dem nächsten
Schwung zu geben.


Du tauchtest auf
als ich an einem aufsteigenden Ast
des großen Lebensplans
empor eilte,
geradeaus und fröhlich hopsend
und blau der Blick
aus grünen Augen.

Ich glich in meinem Kostüm
einer Zauberfrau, die
– in das eigene Universum verliebt –
nicht an allzu leichte
Abstürze glauben mochte.
Nur an die Symmetrie
der Gesetzmäßigkeit von Aufstieg und Fall.
Mich sicher fühlend
in der Vorhersagbarkeit
von Bipolaritäten. In diesem Raum
eines schwingenden Pendels
habe ich meine Wohnstatt errichtet.

II.

Nichts kam an als Vorwarnung,
weder für die Liebe damals, noch
jetzt für die Tiefe des Schmerzes.
Wie habe ich den Krieg von
Anfang an gehasst,
schon als du auf deinem
hohen Ross hineinrittest,
mein blauer Reiter!
Fatales Rittertum!

Unsere Verbindlichkeit:
ein von mir erdachtes Zaubermärchen?
Dein Tod wirft einen bitteren Vorhang
über die Szenerie unseres Refugiums,
über das Dorf, das wir uns zur Heimat
machen wollten.

Mein erstes Trauergefühl:
Flucht!
Dem schwarzen Gewand
des Todes ausweichen wollte ich,
der schon zu oft seinen Mantel
über Freunde
geworfen.
Blind vor Zorn bin ich und die Leere
die du hinterlässt, ein dunkler Engel nun,
wie kann ich sie anders füllen,
als wieder mit tausend kleinen Schritten,
um der Hoffnung zu begegnen,
dass es Sinn macht, auf diesem
Planeten zu sein?

Mein Elfenbeinturm stürzt!
Der Staub des Zusammenbruchs
hat sich noch nicht gelegt.
Ich stehe im Nebel
und rufe nach der Zauberin
in mir, ihn zu lichten.
Denn Fluchtversuche scheitern immer…

Der Erde bin ich nun näher!
Dein Tod, Freund,
ist ein Fallen.
Etwas streift mich.

Auf der Erde stehe ich.
Die Hände leer.
Wie weggewischt sind
alle gesammelten Erkenntnisse
um unsere Zweisamkeit..

Auf die Erde
zurückgebracht
hat mich
dein Fallen.

Sieben Tage nach deinem Tod.

Ich schüttele Staub und
Splitter von meinen Füßen.

Vor mir der Weg
ist frei.

Doch wohin?