1915

Ich liege
im Schützengraben.
Rechts Wand.
Links Wand.
Draußen Totenstille.
Waffenruhe.
Und über mir
der Abendhimmel
tosend rot.

Die Lerchen
geben Zeichen,
das Land duftet.
Die Wolkenschiffe
ziehen Richtung Heimat
und die Grillenlaute
zirpen einen Frieden
herbei, der zwei Stunden
dauert. Oder drei?

Ich rieche den Acker,
die Erde und
die Lust des Sommers
sich zu verströmen!
Denke an die Bäume
zu Hause, Marille,
Boskop und Birne
in Mutters Garten.

Die Schale der Früchte
wird noch grün sein.
Sanft die Rundung!
Bereit für Reife!
Die Muster auf
den Stämmen
gehen mir nach,
raue, rissige Oberflächen,
ähnlich wie hier
vielleicht der
Krater aussieht.

Zerrissen wurde Richard,
mein Freund.
Dort, in dem Krater.
Und ich denke jetzt
an die Bäume
in Mutters Garten.

Aus der Rinde
formten wir Borkenschiffchen,
Richard und ich
vor nicht einmal
zehn Jahren.

Er ist hinweg.
Wie so viele
meiner Kameraden.
Er ist hinweg!
Und die Stille
dieses Abends
zerreißt mich!

Ich liege
im Schützengraben.
Über mir der
Abendhimmel,
tosend rot….