Gelbschatten-Wald

Die Dünung der nahen See
wirft Bewegung
zwischen die Stämme.
Eine kühle Brise
lässt die Farben tanzen.
Darßer Urwald!
Mein Kindheitstraum,
mein Kindheitsschauer!

Durch den mir fremden
Wuchs, den Salzgeruch,
das ANDERE Wuchern,
streckte er Ahnungen
in mein Sein,
in meine Elbauen-Seele
wie Finger aus
um meine Kindheit
zu greifen.

Vorfreude und Unbehagen
zugleich waren die
Ferientage auf dem Fischland.
Vorfreude, auf das eigene
Wachsen? Unbehagen,
weil die Schwere der See
mit dem leichtsinnigen
Schwert des Lichts
zerteilt wurde?

So viele Fragen!
Keine Antworten!
Nur Gelbschatten….

Aber die Freude!
Wir gingen wie
einsame Vögel
durch den Wald
zum Strand:

Mein Vater, ein gewichtiger Uhu,
der im Meer zum Fisch wurde.
Die Mutter als fröhlich
schwatzende Elster,
wasserscheu und voller Vorsicht.
Ich, der kleine staksige
Strandläufer, trippelte
vor und zurück,
vor und zurück,
nicht Uhu, nicht Elster.
Gelbschatten-Wald
ließ auf dem Rückweg
auf unseren feuchten
Flügeln müde
Lichtreflexe tanzen.
Trocken und schwer
vor Schönheit
fuhren wir nach Hause.

In uns: die blaue Weite,
das heitere Flüstern der Wellen,
die kühlende Dünung
im Gelbschatten-Wald,
und das leise Sirren
der Kiefernadeln
im Wind…

Daarsser Moor...

"Daarßer Moor..." © Egbert und Evelyn Buchberger (galerie-buchberger.de)